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Resilienz für Hochsensible - Opferrolle verlassen

Als hochsensibler Mensch kannst du von einer hohen Resilienz profitieren. Denn sie hilft dir, gut mit den Herausforderungen, die die Hochsensibilität mit sich bringt, umzugehen und die positiven Seiten der Hochsensibilität gewinnbringend für dich und andere nutzen zu können.

 

Es gibt verschiedene Faktoren, die die Resilienz (auch seelische Widerstandskraft genannt) eines Menschen beeinflussen. Im Teil 3 der Reihe habe ich über den Resilienzfaktor Verantwortungsübernahme geschrieben, bei dem ich den Fokus auf das gelegt habe, was wir mit uns selbst machen.

In diesem Teil geht es darum, welchen Einfluss wir andere auf uns haben lassen und wie wir das, was mit uns passiert, in die eigene Hände nehmen können.

 

Teil 6: Resilienzfaktor Opferrolle verlassen

 

Als ich mich daran machte, diesen Artikel zu schreiben, begann in meiner Nachbarschaft jemand, Berge von Holz mit der Motorsäge zu bearbeiten. Wenn so etwas passiert, kommt bei mir schon mal das Gefühl auf, dass mein Nachbar schuld daran ist, dass ich einen stressigen Nachmittag habe und es mir deshalb nicht gut geht.

 

Mit der Zeit habe ich aber begriffen, dass nicht er die Verantwortung dafür hat, dass es mir gut geht, sondern ich. Es ist meine Verantwortung, für mein Wohlergehen zu sorgen und meine Emotionen zu steuern, um nicht im Frust zu versinken.

 

Das klingt hart, hilft aber, das eigene Leben in den Griff zu bekommen. Denn mit dieser Einstellung bin ich nicht mehr Opfer der Umstände und muss alles über mich ergehen lassen, sondern kann aktiv werden, und etwas dafür tun, dass es mir besser geht.

 

Diese Erkenntnis trägt dazu bei, dass mein Stresspegel mittlerweile nicht mehr oder zumindest langsamer steigt und ich schneller Wege finde, ihn wieder zu senken. Denn das Gefühl, anderen ausgeliefert zu sein, kostet unglaublich viel Kraft. und hält mich davon ab, Lösungen für meine Probleme zu finden (darauf gehe ich näher in Teil 4 ein).

 

Um aus der Opferrolle herauszukommen, ist es wichtig, den eigenen Gestaltungsspielraum zu erkennen. Wenn du genau hinschaust, hast du viel mehr Einfluss auf das, was in deinem Leben passiert, als dir bewusst ist. Das zu erkennen braucht Zeit, und eine Voraussetzung ist, dass du dir bewusst machst, was dich stört und worunter du leidest.

 

Wenn du den Eindruck hast, es gibt Situationen in deinem Leben, die dich immer wieder belasten, ist gut, sie aufzuschreiben. Dabei kannst du dir folgende Frage stellen, um Klarheit zu bekommen:

 

  • Worunter leidest du?
  • Was daran lässt dich schlecht fühlen?
  • Wie würdest du dich fühlen, wenn diese Störung nicht da wäre?
  • Was für Möglichkeiten hast du, die Situation zu ändern?
  • Wer oder was kann dir dabei helfen?

 

Führe dir dabei vor Augen: Du musst nicht gleich riesige Veränderungen auf den Weg bringen - auch kleine Dinge zu ändern, kann schon eine große Wirkung haben.

 

Schau bitte auch einmal darauf, was du dir von anderen gefallen lässt. Lass nicht zu, dass dich andere schlecht behandeln! In meinem Artikel über mehr Selbstbewusstsein findest du Anregungen, was dich dabei unterstütz.

 

Eine der schwierigsten Aufgaben auf dem Weg in die eigene Verantwortung ist, loszulassen und zu vergeben. Und zwar nicht um der Person, die dich verletzt hat, etwas gutes zu tun, sondern für dich selber.

 

Mir hat dieses Zitat von Buddha geholfen, zu verstehen, warum es so wichtig ist, Wut und Ärger loszulassen:

 

An Ärger festhalten ist wie, wenn du ein glühendes Stück Kohle festhältst mit der Absicht, es nach jemandem zu werfen - derjenige, der sich dabei verbrennt, bist du selbst.

 

Ärger und Wut mit sich herumzuschleppen, bindet unglaublich viel Kraft, die sicherlich an anderen Stellen besser aufgehoben wären.

Um überhaupt an das Verzeihen denken zu können, gilt es zu verstehen, dass Verzeihen nicht bedeutet, alles, was geschehen ist, gutzuheißen. Es bedeutet einzig und alleine, es loszulassen und die eigene Freiheit zurückzubekommen.

 

Es gibt verschieden Möglichkeiten, die dir dabei helfen können, in die Vergebung zu gehen:

  • Du kannst einen Brief an die Person schreiben, die dich verletzt hat, den du nicht abschickst. Darin kannst du dir alles von der Seele schreiben, was dich bewegt. Vielleicht hilft es dir auch, den Brief am Schluss zu verbrennen.

  • Im Netzt lassen sich eine Reihe von Ritualen finden, die beim Verzeihen helfen. Eines der bekanntesten ist das hawaiianische Ritual Hoʻoponopono (Link zu Wikipedia)

  • Auch Klopftechniken (z.B. EFT oder M.E.T.) können eine Basis dafür schaffen, Vergeben zu können. Wenn du im Internet schaust, gibt es eine Reihe von Artikeln und Videos dazu

  • Ergänzend kannst du dir Gedanken dazu machen, wie die erlebte Situation dazu beigetragen hat, dass du die Person bist, die du heute bist. Und was gut daran ist.

Zuletzt möchte ich noch ein Thema anschneiden, was viele HSP kennen werden: wer definiert, wie ich zu sein habe und was ich können muss?

In der Vergangenheit begegneten mir immer mal wieder Aussagen wie „Stell dich nicht so an!“ oder „Beiß doch mal die Zähne zusammen!“. Wenn ich das tat, ging es mir nicht gut. Und wenn ich es nicht tat, hatte ich das Gefühl, weniger „wert“ zu sein, weil die anderen mehr schafften oder aushielten.

 

Je mehr ich meine Hochsensibilität als Gesamt-Paket wahrgenommen habe, also nicht nur die Herausforderungen oder Belastungen, sondern auch die positiven Seiten, desto mehr bin ich bereit zu akzeptieren, dass ein anderer, achtsamerer Umgang mit mir eben dazu gehört. Und dass andere Menschen, die andere Bedingungen mitbringen, keine Deutungshoheit darüber haben, was für mich gut ist oder nicht.

 

Das bedeutet nicht, dass ich meine Bedürfnisse auf Kosten anderer und um jeden Preis durchsetzen muss, sondern, dass ich meinen Bedürfnissen den gleichen Wert zumesse wie denen der anderen Menschen. Und mich darum kümmere, Lösungen zu finden, die allen soweit wie möglich gerecht werden, ohne mich dabei zu vernachlässigen oder zu überfordern.

 

Mehr Infos zum Resilienz-Training findest du hier

Weitere Teile der Serie:

Teil 1: Resilienzfaktor Akzeptanz

Teil 2: Resilienzfaktor Optimismus
Teil 3: Resilienzfaktor Verantwortung übernehmen
Teil 4: Resilienzfaktor Lösungsorientierung
Teil 5: Resilienzfaktor Unterstützungsnetzwerk

 

Wenn du Unterstützung dabei brauchst, die Herausforderungen deiner Hochsensibilität zu bewältigen oder die Stärken darin zu sehen, nimm gerne Kontakt zu mir auf. Telefonisch unter 04131 26 41 20 oder per e-mail können wir klären, was dir hilft, entspannt mit deiner Hochsensibilität umzugehen und sie gut für dich zu nutzen.

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