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Und wie geht es dir?

Heute möchte ich mal einen persönlichen Text schreiben. Weil mir viel durch den Kopf geht. Und weil ich es interessant finde, wie andere mit der Krisen-Situation zurechtkommen. Vielleicht geht es dir ja auch so?

 

Für mich und meine Arbeit ist es wichtig, optimistisch in die Welt zu schauen. Es gibt derzeit genügend Gelegenheiten, sich in Panik und/oder Angst zu verlieren. Sich auszumalen, was alles passieren kann. Ich merke, dass mir das - welche Überraschung - nicht guttut und dass es mich in keiner Weise weiterbringt. Deshalb achte ich sehr bewusst darauf, nicht zu viel Zeit mit Infos rund um die Krise zu verbringen. Und ich sehe zu, mir immer wieder positive Impulse zu holen, z.B. in der Natur oder durch stärkende Beiträge im Netz.

 

Meine liebe Kollegin Kerstin Paar hat mir durch eine Blogparade auf ihrem Radreise-Blog Sonnenfernweh den Anstoß gegeben, meine positiven Eindrücke und Empfindungen in der momentanen Situation einmal aufzuschreiben:


Es ist entschleunigter geworden

 

Als hochsensibler Mensch bekomme ich nicht nur meine eigenen Gefühle mit, sondern spüre oft auch bei anderen, wie es ihnen geht. Momentan nehme ich neben der Unruhe und der Unsicherheit, die sicher auch herrscht, eine große Entschleunigung wahr. So kann man z.B. beim Einkaufen sehen, dass Menschen geduldig stehen bleiben, wenn es an einer Stelle zu eng wird. Und wenn eine neue Kasse aufmacht, wird freundlich gewartet, was die Person macht, die vor einem steht. Die Menschen sind nicht mehr so gehetzt.

 

Es herrscht mehr Bewusstsein und Dankbarkeit

 

Außerdem höre und spüre ich eine neue Form von Dankbarkeit. Für die kleinen und großen Dinge, die wir "trotzdem" haben, wie Essen und ein Dach über dem Kopf. Und den Zugang zum Internet, der uns ermöglicht, trotz des räumlichen Abstands in Kontakt zu bleiben. Es fällt auf, dass das, was wir vor der Krise hatten, nicht selbstverständlich ist. Unsere Möglichkeiten zu Reisen, Essen zu gehen, ja sogar einfach nur Freunde zu treffen, wird jetzt ganz anders wertgeschätzt.

 

Wir nehmen die Menschen um uns herum anders wahr

 

Die Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft, die momentan sichtbar werden, ist großartig. So, als wenn wir jetzt wieder Zeit haben, die anderen Menschen wahrzunehmen und ein Gefühl dafür entwickeln, was sie brauchen.

Das hat sicher auch damit zu tun, dass wir jetzt spüren können, wie stark wir miteinander verbunden sind. Denn auf einmal ist der kleine Laden nebenan oder das Lieblingslokal etwas, was vermisst wird. Und so entwickeln wir Ideen, wie wir uns gegenseitig helfen können.

 

Mehr Offenheit im Gespräch

 

Ich nehme auch eine andere Offenheit wahr: weil die Frage „Wie geht es dir?“ von wirklichem Interesse begleitet wird und die Zeit da ist, zuzuhören, wird oft offener geantwortet. Sowohl die guten als auch die unangenehmen Gefühle werden geteilt. Wahrscheinlich hilft es, dass wir wissen, das ja alle Menschen in dieser Ungewissheit leben und sich damit auseinandersetzen. Dadurch entfällt die Notwendigkeit, die Maske des "Alles ist super!" tragen zu müssen.

 

Der Umgang mit sozialen Medien verändert sich

 

Auch der Blick in die sozialen Medien zeigt ein anderes Verhalten. Es werden mehr Unterstützungsangebote gemacht, es gibt kostenfreie Inhalte und die Menschen geben sich mehr positives Feedback.

Außerdem scheint mir, dass der Medienkonsum vielfach reflektierter und auch zurückhaltender ist. In meinen Augen ein wichtiger Beitrag zur Selbstfürsorge, denn so kann man dafür sorgen, nicht in einen Abwärtssog gezogen zu werden.

 

Was kommt, was bleibt?

 

Sehr spannend finde ich die Frage, wie die weitere Entwicklung sein wird. Was von dem Guten, das wir jetzt erfahren, hat Bestand, wenn das Leben wieder in seinen gewohnten Rhythmus zurückkehrt? Wird die große Wertschätzung dessen, was wir haben, bleiben? Können wir auch weiter entspannt und rücksichtsvoll mit anderen Menschen umgehen? Wird sich eine andere Art des Konsums entwickeln? Ich hoffe es. Was denkst du?

 

 

Natürlich ist das hier ein ganz subjektiver Blick aus meiner Situation und der meines Umfelds heraus. Andere, z.B. mit kleinen Kindern oder mit einem Beruf in einem der momentan stark belasteten Bereiche, nehmen das Ganze wahrscheinlich anders wahr.

 

Toll fände ich, wenn du mir im Kommentar erzählen magst, ob du etwas, und wenn ja was, Positives in dieser Situation finden kannst.

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Kommentare: 2
  • #1

    Kerstin (Donnerstag, 09 April 2020 13:45)

    Hallo Sabine,

    danke, dass Du an der Blogparade teilgenommen hast. Sehr aufmerksam las ich deine Zeilen. Spannend finde ich Deine Sicht auf den Umgang mit sozialen Netzwerken. Ja, man setzt bedacht, achtsam sie ein, allerdings merke ich, dass ich doch bedingt durch das Zuhause bleiben mehr online unterwegs bin. Dann allerdings wieder gezielter. So spannt sich der Bogen zu Deiner Erkenntnis zurück.

    Es ist auch schön, dass wir - statt Spaziergänge - uns online regelmäßig treffen. Vermissen tu ich sie allerdings schon. Aber eines Tages wird auch das wieder möglich sein und ich freue mich schon jetzt sehr darauf.

    Alles Gute weiterhin im und vom Home Office!
    ... bleib gesund

    Kerstin

  • #2

    Die Kommunikationslotsin Sabine (Donnerstag, 09 April 2020 14:23)

    Liebe Kerstin,

    herzlichen Dank, dass du den Anstoß zu diesen Überlegungen gegeben hast.
    Mir geht es wie dir, ich vermisse unsere Spazier-Runden. Und es ist schön, dass wir die Möglichkeit haben, trotzdem online in Kontakt zu bleiben.

    Dir auch alles Gute und Gesundheit, bis ganz bald
    Sabine